Selbtsentwicklung

Ein Jahr HerzFacetten – Mein Weg zu mehr Mut und mehr Selbstentwicklung

 

Am 13. Juli 2025 habe ich die Domain für HerzFacetten registriert.

Auf den ersten Blick könnte man sagen: Das war der Beginn von HerzFacetten. Doch das stimmt nicht so ganz! HerzFacetten begann nicht an dem Tag, an dem ich eine Webseite online stellte.

Es begann viel früher – mit einer Sehnsucht. Mit dem leisen Gefühl, dass ich so, wie mein Leben damals war, nicht weitermachen wollte.

Wenn eine leise Stimme immer lauter wird

Bereits im Frühjahr 2025 spielte ich mit dem Gedanken, meinen Job aufzugeben. Ich merkte immer deutlicher, dass meine Kräfte schwanden und dass ich mich immer weiter von mir selbst entfernte.

Gleichzeitig war da diese andere Stimme. Die Stimme der Angst.

  • Was passiert, wenn ich kündige?

  • Was ist mit der finanziellen Sicherheit?

  • Was werden andere denken?

  • Kann ich das überhaupt verantworten?

Dann kam das Leben dazwischen. Ein anstehender Urlaub, der schon gebucht war und der Autounfall meines Mannes – gefolgt von finanziellen Entscheidungen und einem großen Streit, der mir an die Substanz ging.

Viele Ereignisse, die mich zunächst darin bestätigten, lieber erstmal nichts Großes zu verändern.

Aus heutiger Sicht verstehe ich das gut, denn Veränderung macht Angst. Vor allem dann, wenn noch niemand weiß, wie der neue Weg aussehen wird.

Der Wunsch nach Veränderung blieb

Der Autounfall meines Mannes erinnerte mich auf unangenehme Weise daran, wie schnell unser Leben vorbei sein kann. Und auch der große Streit, der folgte, zeigte mir einige innere Muster in mir auf – am schlimmsten war für mich dieses Gefühl bzw. die Bereitschaft, mich selbst aufzuopfern oder mein Leben herzugeben. Ein Teil von mir richtete sich auf und sprach deutlich: Für keinen anderen Menschen der Welt solltest du dich selbst komplett aufgeben! Es erinnerte mich an frühere Erfahrungen aus meiner ersten Beziehung. Damals wusste ich noch nicht, dass ein tiefes Bindungsmuster hinter meinem Verhalten steckte. 

Weiterhin entschlossen, etwas zu verändern, entschied ich mich zunächst für einen anderen Schritt. Anstatt sofort zu kündigen, besuchte ich ein Wochenendseminar zum Thema Abgrenzung und Selbststärkung. Es war Teil einer größeren Fortbildung, für die ich mich ebenfalls interessierte. Damals hoffte ich, besser Nein sagen zu lernen und dadurch vielleicht in meinem bisherigen Beruf bleiben zu können.

Heute muss ich schmunzeln. Ich dachte tatsächlich, ich würde lernen, meinen Arbeitsplatz zu verändern. In Wirklichkeit begann ich, mich selbst zu verändern und realisierte, dass tiefe Muster und Verstrickungen sich nicht einfach auflösen, nur weil man jetzt weiß, dass Nein sagen erlaubt ist.

Erschöpfung statt Erholung – und auf Kreta festigte sich eine Entscheidung

Kurz darauf flogen wir in den Urlaub nach Kreta. Ich freute mich einerseits sehr darauf und immerhin hatte ich auch wieder aussuchen dürfen, wohin es gehen darf. Doch seit meiner Panikattacke im Jahr 2021 und einem eher dysregulierten Nervensystem, hatte ich auch mit Flugangst zu tun. Es half nichts mich nur daran zu erinnern, dass die junge Nina damals ganz alleine zum ersten Mal in einen Flieger stieg – oder zumindest machte es mir immerhin etwas Mut.

Ich nutze die Gelegenheit übrigens auch, mich dieser Flugangst bewusst zu stellen. Die letzten beiden Jahre empfand ich als „Katastrophe“, hatte ich doch mehr Energiereserven für die Reise benötigt als ich im Urlaub auftanken konnte. Tatsächlich habe ich Besserung erlebt und konnte zumindest den Hinflug genießen. Doch so schön der Urlaub, die Ortschaften, die Erlebnisse und Eindrücke auch waren – ich spürte eine große, körperliche Erschöpfung. Und das lag nicht nur daran, dass der Weg vom Strand zurück aufs Zimmer jedes Mal bergauf ging.

Auf Kreta hatte ich auch viel Zeit zum Nachdenken und überlegte, ob ich mich beruflich vielleicht umorientieren sollte? Vielleicht sollte ich doch die Fortbildung machen? In der Fortbildung hätte ich tiefer in das Thema Hochsensibilität eintauchen können und lernen, wie ich andere Hochsensible unterstützen kann. Doch ich hätte auch eigene Ideen und ein Vorhaben mitbringen müssen.

Tatsächlich gab es damals schon Ideen. Ich hatte den Wunsch, eine Webseite zu basteln. Das Layout hatte ich bereits im Kopf, ebenso ein kleines Konzept. Es sollte ein Blog werden, ein Ort, wo ich all meine Gefühle und Gedanken niederschreiben kann. Damit das Ganze einen Platz hat, damit ich dem Ausdruck geben kann und nicht alles im Stillen für mich behalten muss. So kann ich es vielleicht mit anderen Menschen, denen es ähnlich geht, teilen.

Auf Kreta wurde aus einer Idee dann eine Entscheidung. Ich sagte mir: Wenn ich wieder nach Hause komme, werde ich HerzFacetten endlich starten.

Nicht irgendwann.

Nicht, wenn alles perfekt ist.

Sondern jetzt.

HerzFacetten enstand nie aus einem Businessplan

Viele glauben, am Anfang eines Projekts müsse zuerst eine perfekte Positionierung stehen.

Ein Businessplan. Eine Strategie. Ein fertiges Angebot.

Das ist sicherlich sinnvoll, wenn es konkret wird und um die tatsächliche Gründung oder den Aufbau eines Unternehmens geht.

Bei HerzFacetten war das anders. Ich hatte keine fertige Vision davon, wie alles einmal aussehen würde und ob das Ganze überhaupt etwas Berufliches werden soll. Ich wusste nur, dass ich einen Ort schaffen wollte, an dem alle Facetten des Menschseins ihren Platz haben dürfen. Mit einem kleinen, thematischen Konzept.

Für die dunklen Seiten.

Die hellen Seiten.

Das Dazwischen.

Und das, was über Worte hinausgeht.

So entstand nach und nach HerzFacetten. Nicht als Unternehmen. Sondern als Haltung.

Entscheidungen, die Türen geöffnet haben

Im Laufe dieses ersten Jahres gab es mehrere Momente, in denen ich dachte, eine bestimmte Tür würde sich schließen. Zweimal stand ich vor der Möglichkeit, eine Ausbildung zu beginnen. Beide Male verlief es anders als gedacht.

Beim ersten Mal verschob sich der Beginn der Ausbildung auf das kommende Jahr. Einerseits passte es zeitlich ganz gut, weil dann auch ein Kurz-Urlaub mit meiner Schwester möglich war. Und andere Ereignisse führten dazu, dass ich mich statt für eine Ausbildung nun für ein Bewusstseins-Coaching entscheiden habe. Rückblickend war genau das die richtige Entscheidung. Nicht, weil eine Ausbildung nicht wertvoll gewesen wäre. Sondern weil ich in diesem Moment erst einmal selbst wachsen durfte.

Später ergab sich zum zweiten Mal die Möglichkeit, eine Ausbildung zu beginnen. Dieses Mal eine andere, aber ebenfalls thematisch zum Thema Hochsensibilität inklusive Business Aufbau. Und auch die erste Ausbildung hätte in Kürze eventuell gestartet. Beides schien für mich zunächst finanziell unerreichbar und ich war enttäuscht.

Doch einige Zeit später öffnete sich eine ganz andere Tür. Eine Möglichkeit, mit der ich vorher überhaupt nicht gerechnet hatte. Und plötzlich durfte ich eine Coaching-Ausbildung beginnen, die thematisch zwar nichts mit Hochsensibilität zu tun hatte, jedoch neben einem großen Übungsfeld auch viele Tools für die weitere innere Arbeit an sich selbst beinhaltete. 

Wenn ich heute zurückblicke, erkenne ich darin ein Muster.

Immer dann, wenn ich dachte, etwas geht verloren, entstand Raum für etwas Neues.

Nicht immer sofort. Nicht immer so, wie ich es erwartet hatte.

Aber rückblickend oft genau passend.

Der Mut mit dem Nein sagen

Auch beruflich veränderte sich vieles. Ich begann zum ersten Mal so richtig, Grenzen zu setzen.

Ich sagte Nein. Nicht perfekt. Nicht ohne Angst. Aber ich sagte Nein.

Mit jedem Mal wurde mir klarer, dass ich Verantwortung für mein eigenes Leben übernehmen darf.

Und am Ende traf ich die Entscheidung, meinen Arbeitsplatz zu kündigen.

Diese Entscheidung fiel mir alles andere als leicht.

Ich lag viele Nächte wach.

Ich stellte mir unzählige Fragen.

Und trotzdem wusste ich irgendwann:

Wenn ich mir selbst treu bleiben möchte, muss ich diesen Schritt gehen.

Was mich besonders berührt hat, war übrigens der Abschied bei meinem Arbeitgeber.

Ich hatte befürchtet, dass er schwer und unangenehm werden würde.

Stattdessen erlebte ich viele menschliche Begegnungen.

Wertschätzende Gespräche.

Umarmungen.

Momente, die mir gezeigt haben, dass auch ein Abschied etwas Verbindendes haben kann.

Selbstentwicklung beginnt nicht erst mit Therapie oder Coaching – aber sie geschieht meist schneller

In diesem ersten Jahr HerzFacetten endete übrigens auch eine Kurzzeit-Therapie. Nachdem ich mich seit den Panikattacken im Jahr 2021 schon mit meinem Leben sowie mehr Achtsamkeit und Umgang mit Emotionen auseinandergesetzt hatte, entschied ich mich für zusätzliche Unterstützung durch Psychotherapie. Die Ängste kehrten durch Flug und Urlaubsreise 2023 zurück und damals war es ein Weg, den ich kannte und der auch von anderen Menschen und Ärzten empfohlen wurde – zumal Therapie meist auch „kostenfrei“ über die Krankenversicherung läuft. Leider gibt es für solche Therapien ziemlich lange Wartezeiten, sodass ich erst ca. 1,5 Jahre später einen Platz bekam.

Heute bin ich mir sicher, dass auch das seine Gründe hatte. Denn so passte alles sehr schön in den Zeitraum kurz vor und während des ersten Jahres von HerzFacetten.

Wenn ich das heute schreibe, möchte ich eines ganz klar sagen:

Meine Selbstentwicklung begann nicht mit der Therapie oder dem Coaching. Beides war ein wertvoller Teil meines Weges und ich bin sehr dankbar für diese Unterstützung – aber es war weder der Anfang noch ist es die endgültige Lösung.

Schon lange vorher hatte ich begonnen, mich intensiv mit mir selbst auseinanderzusetzen. Zudem las ich Bücher, schaute Videos, hörte Podcasts, absolvierte Online-Kurse und nahm an Webinaren, Q&As und Workshops teil. Ich lernte, mein Nervensystem besser zu verstehen und mich selbst immer wieder zu regulieren. Übte mich immer wieder in Selbstreflexion.

All das ist hilfreich und vielleicht auch notwendig, um überhaupt erst etwas mit Therapie, Coaching oder auch Schulungen erreichen zu können. Jede Unterstützung bringt uns weiter – meist auch schneller als wenn wir alles ganz alleine machen und genau dafür ist es da. Es geht mir nicht darum, den Wert dessen herunterzuspielen. Was ich sagen möchte ist, dass nichts davon ein Zauberstab ist, welcher über Nacht „alle Probleme weg“ macht. Es sind Räume, innerhalb denen wir unseren eigenen Weg weitergehen und erarbeiten dürfen. Schritt für Schritt.

Ich bin all diese Schritte selbst gegangen. Und genau das empfinde ich heute als das Wertvollste.

Persönliche Entwicklung bzw. was sich in mir verändert hat

Wenn ich heute auf das letzte Jahr zurückblicke, denke ich gar nicht zuerst an die Webseite, den Blog oder die später noch hinzugekommenen Kanäle auf Youtube und Instagram.

Ich denke an die Veränderungen in mir.

Ich bin mutiger geworden. Ich spreche Dinge schneller an.

Ich vertraue meinen eigenen Wahrnehmungen mehr.

Ich kann meine Hochsensibilität besser verstehen.

Ich muss nicht mehr alles perfekt machen.

Ich halte Unsicherheit besser aus.

Ich halte allgemein starke Gefühle besser aus.

Ich bin geduldiger mit mir geworden.

Ich traue mich, Entscheidungen zu treffen, obwohl ich den gesamten Weg noch nicht sehen kann.

Ich habe erkannt, dass Sichtbarkeit nichts mit Perfektion zu tun hat. Sondern mit Echtheit. Und ja, ich traue mich inzwischen nicht nur wieder mehr vor Menschen zu sprechen, sondern stelle Videos von mir online.

Ich prüfe, ob ich Dinge wirklich will oder brauche und ob sie zu mir passen, anstatt automatisch aus einem „ich muss ja“ oder „das macht man so“ zu reagieren.

Ich stehe zu meiner Verletzlichkeit, auch wenn sich weiterhin Trigger, Ängste oder andere Emotionen, Muster und Herausforderungen zeigen.

Der Höhepunkt kurz vor dem ersten Geburtstag von HerzFacetten war übrigens auch mein Besuch auf dem Greator Festival. Ich traute mich ganz alleine an einen fremden Ort zu fahren, unter sehr viele Menschen zu gehen und dort zu beobachten, was das Ganze mit mir macht und welche Erkenntnisse ich mitnehmen kann. Dort spürte ich nicht nur, wie weit meine Bewusstheitsreife sowie Wissensstand schon fortgeschrittenen sind, sondern ich habe nach langer Zeit wieder gespürt, wie gut ich meinem Körper vertrauen darf. Dass er mir rechtzeitig mitteilt, was er braucht.

Außerdem durfte ich in diesem Jahr etwas wiederentdecken, das mich eigentlich schon mein ganzes Leben begleitet: Meine hohe Auffassungsgabe und die damit verbundene Möglichkeit, größere Zusammenhänge zu erkennen. Die Ruhe und Kraft die ich ausstrahle, auch wenn ich es selbst nicht so wahrnehme. Menschen haben mir schon immer ihre Geschichten erzählt, mich oft um Rat gefragt (beruflich wie privat). Sie haben sich mir anvertraut. Damals hielt ich das für normal, für selbstverständlich. Heute erkenne ich darin eine meiner größten Stärken.

Im Rahmen meiner Coaching-Ausbildung durfte ich erleben, wie sehr es mir Freude bereitet, gemeinsam mit Menschen hinzuschauen. Nicht, um fertige Antworten zu geben. Sondern um gemeinsam Zusammenhänge zu entdecken, neue Perspektiven zu finden und Menschen dabei zu begleiten, sich selbst wieder näherzukommen.

Vielleicht darf künftig genau das der Kern von HerzFacetten werden?

Das Fundament ist gelegt

Ich weiß heute noch nicht, wie HerzFacetten in zwei oder fünf Jahren aussehen wird.

Und das ist in Ordnung. Ich wünsche mir, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen sich mit all ihren Facetten willkommen fühlen. An dem auch ich selbst mich wohlfühle und mich mit meinem ganzen Wesen einbringen kann.

Einen Ort, an dem nicht bewertet, sondern verstanden wird.

An dem Entwicklung Zeit haben darf.

Und an dem wir gemeinsam entdecken dürfen, was bereits in uns angelegt ist.

Mein Dank

Wenn du HerzFacetten schon länger begleitest – oder vielleicht gerade erst hierher gefunden hast –, dann danke ich dir von Herzen.

Danke für deine Zeit.

Danke für dein Vertrauen.

Danke, dass du ein Teil dieser Reise bist.

Dieses erste Jahr fühlt sich für mich nicht wie ein Ankommen an.

Es fühlt sich an, als hätte ich das Fundament gelegt.

Und ich freue mich darauf, gemeinsam mit dir zu entdecken, was darauf wachsen darf. ❤️

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Beitrag / Bild © Nina Groß (HerzFacetten) 

 

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