Lucy Maus

Ein Brief an meine kleine Lucy Maus – Abschied von geliebten Tieren

 

Der Abschied von geliebten Tieren gehört leider zu den schwersten Momenten in unserem Leben…

Wie alle meine Blogartikel basiert auch folgender auf meinen eigenen Erfahrungen und Reflexionen. Doch dieses Mal ist es kein informativer Artikel, sondern ein persönlicher Brief an meinen kleinen Liebling Lucy – eine ganz besondere Wellensittich-Dame, die stolze 11 Jahre bei uns war. Vor wenigen Tagen war leider ihr Zeitpunkt gekommen und wir mussten sie schweren Herzens gehen lassen.

Wenn du gerade selber um dein geliebtes Tier trauerst oder dich über den Umgang damit informieren möchtest, dann lies dir gerne auch folgenden Artikel durch: Abschied von geliebten Tieren – Trauer, Liebe und was wir daraus lernen können

Liebe Lucy Maus

Liebe Lucy Maus,

wahrscheinlich hat Tweety auf halbem Weg noch auf dich gewartet, sodass ihr zusammen weiter über die Regenbogenbrücke fliegen konntet? Ich wünsche mir so sehr, dass es dir gut geht. Allein die Vorstellung, du kannst all deine anderen Freunde wieder treffen und gemeinsam mit ihnen durchs sogenannte Hirseparadies fliegen, das würde mir sehr gefallen. Die Wahrheit ist jedoch, ich weiß gar nicht, wie es wirklich nach dem Tod weitergeht. Und das macht einem Teil von mir manchmal noch Angst.

Was ich aber weiß, ist, dass es weitaus mehr gibt, als wir mit unserem Verstand begreifen können. Unser Herz ist unendlich, Liebe ist unendlich. Und deshalb glaube ich einfach ganz fest daran, dass es dir gut geht – egal in welcher Form, Art und Weise. Und ich werde dem kleinen Mädchen in mir ganz bestimmt nicht die oben erwähnte Vorstellung wegnehmen, nur weil sie naiv, vermeintlich falsch oder gar unspirituell sein könnte.

Wenn die Trauer um ein geliebtes Tier weh tut

Der Schmerz lässt vielleicht ein wenig nach. Zeit heilt alle Wunden … so heißt es. Und es scheint etwas dran zu sein. Ich bin mir nicht sicher, ob du weißt, wie sehr du mir fehlst? Ich muss gestehen, über die letzten Jahre gab es immer wieder mal Momente, in denen der Gedanke kam: „Nina, du darfst Lucy nicht zu sehr lieben, sie wird irgendwann gehen müssen.“ Und ich musste jedes Mal ein paar Tränchen weinen, nur um dann schnell wieder in den Moment zurückzukommen und mir klarzumachen: Genieße die Zeit, solange Lucy noch da ist. Und insgeheim hoffte ein Teil von mir in solchen Situationen manchmal, dass der spätere Schmerz dann nicht so groß sein würde, wenn ich vorab schon etwas Trauerarbeit mache. Bescheuert, oder?

Ich vermisse am meisten diesen einen, kleinen Moment am Tag, wo du mit einem süßen, quietschenden Zwitscherton auf die Hängeschaukel gehüpft bist und uns rein mit deiner Anwesenheit beglückt hast. Mir wurde dabei jedes einzelne Mal ganz warm ums Herz. Dein Ruf, deine Art zu zwitschern, war einzigartig. Damals hatte ich den Eindruck, als hättest du einen winzigen Teil von Fluppi abgekupfert. Das kann durchaus möglich gewesen sein, denn ihr Wellis passt euren Ton ja dem bestehenden Schwarm an. Und dennoch war es bei dir ganz besonders. Egal, in welchem Zimmer ich war, sobald ich dich hörte, ging mir das Herz auf. „Oh, meine Lucy Maus!“

Lucy und ihr ganz eigener Charakter

Unvergessen bist du auch wegen deines ganz eigenen Charakters. Tiere denken zwar nicht so wie wir Menschen, aber ihr habt dennoch alle eure eigene Persönlichkeit – sofern man das so benennen kann. Du warst bis zum Schluss sehr menschenscheu, hast uns auch nach über 10 Jahren gemieden. Obwohl du dich hin und wieder doch mal getraut hattest, dich vorsichtig anzunähern. Aber unsere Annäherung erwidertest du jedes Mal mit einem „Tschilp, Tschilp, Tschilp!“ und zack, weg warst du.

Aber einmal, das ist schon einige Jahre her, da konnte ich dich ganz neugierig machen. Ich bin dir beim Fotos machen ganz vorsichtig mit dem Smartphone näher gekommen. Später warst du mir in die Küche gefolgt und versuchtest, auf dem Smartphone zu landen. Und erst letztes Jahr, da bist du einmal auf meinem Knie gelandet. Als ich realisierte, dass du das warst, war ich so beeindruckt und zu Tränen gerührt, dass ich dich dadurch leider verscheuchte. Hach ja …

In dir habe ich mich oft selbst wiedererkannt – oder besser gesagt, den verspielten, kindlichen Anteil. Den mutigen Anteil. Oder eben „die Zicke“.

Mein Mann nannte dich immer liebevoll „kleine Hexe“ und verglich uns beide ab und zu. Aber du konntest wirklich sehr gut motzen, wenn dir etwas nicht gepasst hatte oder du deinen Unmut kundgetan hast. Ganz niedlich war es, wenn du dabei deine Bürzelfedern aufgestellt hattest. Das machtest nur du so.

Und eine mutige Kämpferin konntest du sein, eine richtige Amazone. So hatte ich euch einst ein altes Armband zum Spielen auf die Voliere gelegt. Und was machtest du? Du hast es dir mit dem Schnabel gepackt und mit Hin-und-her-Hieben quer über das ganze Dach der Voliere geschleppt, bis es irgendwann herunterfiel. Auch aus dem kleinen Birkenhäuschen hast du ständig kleine Spielsachen rausgeschmissen. Und du hast es geliebt, jedes Mal hinterherzuschauen, ob es auch am Boden gelandet ist.

Unser kleines Wunder: Lucys Ausflug

Was ebenso unvergessen bleibt, ist dein kleiner „Ausflug“, weshalb wir dich auch als unseren Wunder-Welli bezeichnet hatten.

Es war noch ganz am Anfang, du warst 2 Jahre alt. Da bist du durch ein Missgeschick plötzlich durch das noch offene Küchenfenster ausgebüxt. Ich habe dich noch schimpfend über das Dach hinwegfliegen sehen. Für mich war das ein Schock, ich war fast zusammengebrochen.

Unendlich traurig hatten wir gehofft, dich irgendwo zu finden. Wir haben ein Flugblatt mit einem Foto von dir ausgedruckt und in der Umgebung aufgehängt. Eine Suchanzeige bei Kleinanzeigen geschaltet. Ich hatte gebetet, dass es dir gut geht. Und ich hatte mich so schuldig gefühlt.

Am nächsten Tag, genau 24 Stunden später, hatte ein Teil von mir innerlich aufgegeben. Sich schon die Frage gestellt, ob es so sein sollte? Ob du selbst es so wolltest?

Doch dann geschah das Wunder.

Wir bekamen einen Anruf auf unsere Kleinanzeige hin und damit den Tipp, mal in unserer regionalen Facebook-Gruppe für gesuchte/gefunde Tiere reinzuschauen. Dort sei wohl ein Wellensittich gemeldet worden, der deiner Beschreibung entspricht.

Dem sind wir umgehend gefolgt und als ich die Fotos von dir sah, was ist mir ein Stein vom Herzen gefallen!

Du wurdest einen Ort weiter von einer lieben Familie aufgenommen und umsorgt, nachdem du unterkühlt und hungrig auf der Mauer an deren Haustür gesessen hattest. Ich bin dieser Familie bis heute dankbar und erinnere mich gerne an dein Gezicke, weil du erst nicht verstanden hattest, was geschieht, und dachtest, wir wollen dir was tun.

Doch wieder zu Hause angekommen, da hast du erst mal einen Moment gestaunt. Du bist aus der Transportbox rausgeklettert, aber schautest dich zunächst um. Du schautest mich an, meinen Mann. Dann die Voliere. Und das immer hin und her, bis du schließlich umgehend an deinen Lieblingsplatz gesaust bist und schnell noch was getrunken hast.

Von deinem ersten Tag bis zu deinem Schwarm

Als du zu uns gekommen bist, warst du noch ein Küken. Erst mehrere Wochen alt, gerade futterfest geworden. Dich hatten wir ausgesucht und wir wollten für dich noch ein Brüderchen. Der Züchter hatte zu der Zeit aber nur Damen und deshalb bei einem Kollegen noch nach einem passenden Hahn geschaut – wir wussten also nicht, wer dich begleiten würde.

Doch wir alle wurden positiv überrascht, mit dem weiß-hellblauen Bübchen, den wir irgendwann Flocke getauft haben. Für uns war es dein Brüderchen, aber für dich war er heimlich mehr, wie sich später ergab.

Am ersten Tag bei uns wolltest du gar nicht aus der Schachtel rauskommen, in die dich der Züchter gepackt hatte. Flocke war in einer zweiten Schachtel und bei ihm ging es schnell: Zack und er saß im Käfig. Doch du wolltest nicht wirklich und als die Schwerkraft doch wirkte, bist du mit ganz breiten Beinchen langsam herausgerutscht und saßt erst mal still da.

Der Käfig war übrigens nur vorübergehend – damit ihr eure Umgebung erkunden konntet. Das ging ganz schnell, ihr wart voller Energie, ihr zwei. Nur wenige Stunden, und ihr durftet rüber zu euren Freunden Leyla und Fluppi.

Ach Lucy, ich sitze hier mit einem Lächeln, während ich mich an die Anfangszeit erinnere. Wie verspielt ihr beide wart. Du hast oben auf dem Volierengitter immer Purzelbäume gemacht.

Und als ihr beide „Teenager“ wurdet, da habt ihr ordentlich geflirtet. Doch Flocke hatte sich von Anfang an in Leyla verliebt und wusste anfangs auch gar nicht, was genau er mit dir tun sollte. Er hat statt dir lieber das bunte Bällchen beglückt.

Fluppi, Mäxchen und eure kleinen Abenteuer

Irgendwann kam ein Tag, da habt ihr einen ersten Freund verloren: Fluppi. Das war für uns alle neu und es war sehr traurig. Doch du hast weitergemacht und ganz bald darauf kam dein Schwarm Mäxchen zu uns.

Mäxchen war ein wildes Kerlchen. Der wusste genau, was er tun musste. Jeden Morgen hörten wir, wie ein kleines Bäumchen aus Weidenholz, das in eurer Spielecke hing, gegen das Volierendach klopfte. Da wussten wir genau: Ah! Die beiden treiben es wieder 😀

Abgesehen von Leylas Abschied, der dieser Tage folgte, war es eine wunderbare Zeit, so verspielt und voller Leben in unserem Wohnzimmer. Mäxchen hat sein Leben ganz besonders ausgelebt, Schabernack von früh bis spät.

Was keiner von uns wusste: Eines Tages beschloss er, zu gehen. Von jetzt auf gleich …

Hattest du das vorher gewusst? Warst du traurig? Ich habe es dir nicht angesehen, denn du hast wie immer ganz tapfer weitergemacht.

Und die Zeit mit Mäxchen brachte dir einen Vorteil: Nachdem Flocke euch beobachten konnte und später dasselbe bei euren neuen Freunden Bubi und Tweety, hatte er etwas gelernt. Und so gab es hin und wieder mal einen Moment im Frühling, wo er endlich deinen Wunsch erfüllte – wenn auch nur einige wenige Male.

Unvergessen bleiben mir ebenso die Bilder von dem „Schrecken der Waage“ sowie „Lucy & Bubi auf dem Pizzateller“.

Bubi war sehr neugierig und kam immer gucken, was die Federlosen denn so auf ihren Tellern hatten. Das hatte dich, Lucy, immer angespornt. Weißt du noch? Den einen Abend gab es bei uns Pizza und ich hatte auf einmal nicht nur Pizzastücke, sondern zwei bunte Vögel mit auf meinem Teller.

Ja und „der Schrecken der Waage“ ist eine Story für sich.

Wir wollten euer Gewicht überprüfen und hofften, ihr würdet dank der Kolbenhirse freiwillig auf die kleine Küchenwaage steigen. Was wir dabei nicht beachtet hatten: Die Oberfläche der Waage spiegelte.

Du hattest mit einmal deinen berühmten „Katzenbuckel“ gemacht – was du immer getan hast, wenn dir etwas Angst machte, aber die Neugierde trotzdem wuchs. Dann hast du einen langen Hals gemacht und beim Zurückweichen sah es wie ein Buckel aus.

Tja und in der Waage hast du zum ersten Mal dein eigenes Spiegelbild gesehen und warst total verwundert. Wir haben uns köstlich darüber amüsiert, wie du später versucht hast, dich selber mit dem Schnabel zu attackieren.

Herrlich …

11 Jahre Lucy – ein riesengroßes Geschenk

Liebe Lucy. 11 Jahre sind ein riesengroßes Geschenk und all die schönen Momente bleiben in unseren Herzen. Ein einziger Brief würde gar nicht reichen, um all das aufzuzählen, was so wunderschön und kostbar war.

Ich vermisse dich so sehr und es wird vielleicht noch eine Weile dauern, bis der Abschied nicht mehr so weh tut.

Du hast in all den Jahren ganze 7 Freunde gehen sehen. Tweety ist erst wenige Tage zuvor gegangen, nachdem sie noch fast 3 Monate trotz Krankheit ausgehalten hatte. Zu ihr hattest du ein freundschaftliches Verhältnis, ähnlich wie damals mit Leyla.

Und obwohl du immer unsere kleine Zicke warst, die besonders bei Futter und Spielplätzen bekannt für ihr Durchsetzungsvermögen war („Meins!“), so hattest du dein großes Herz gezeigt, indem du in dieser schweren Zeit für Tweety da warst.

Ich bin mir sicher, nur dank deiner Kraul- und Kuscheleinheiten konnte sie noch so lange durchhalten.

Es schmerzt noch sehr, dass nun auch du gehen musstest. Vielleicht ist deine Botschaft auch deshalb noch nicht zu mir durchgedrungen?

All deine Freunde haben nach ihrem Abschied immer ein Zeichen geschickt, in Form von anderen Tieren, Wolkenbildern, Sonnenstrahlen, Windböen, Musik im Radio.

Manchmal frage ich mich auch, ob einfach der Zeitpunkt eures Abschieds eine Bedeutung selbst trägt. In deinem Fall könnte es für mich noch mal der Hinweis sein, dass es Zeit ist, meine alte Identität hinter mir zu lassen. Denn immerhin befinde ich mich schon länger in Transformation – aktuell gehe ich sogar gefühlt durchs Feuer.

Lucy, dein reines Sein hatte so viel Wärme und Präsenz. Du bist für mich ein Ausdruck purer Liebe. Und dafür werde ich dir immer dankbar sein.

Ich liebe dich, kleine Maus.

Deine Nina.

Trauer ist nicht linear

Acht Tage nach dem Abschied von unserem Wellensittich Tweety musste ich nun auch Lucy gehen lassen. Und obwohl ich gerade erst über Tweetys Tod und meine Trauer reflektiert hatte, fühlt sich dieser Abschied ganz anders an.

Die Reflexion über den Abschied von Tweety kannst du übrigens im ⇒ YouTube Podcast von HerzFacetten anhören. 

Bei Tweety hatte ich erstaunlicherweise recht gut durch die Trauer gefunden. Vielleicht auch deshalb, weil sie schon länger krank war. Wir wussten, dass ihr Körper irgendwann nicht mehr können würde. Außerdem war sie „nur“ vier Jahre Teil unserer Familie.

Lucy dagegen war elf Jahre bei uns.

Elf Jahre voller Alltag. Elf Jahre, in denen ihre Stimme zu unserem Zuhause gehörte. Elf Jahre, in denen sie einfach da war. Und vielleicht ist genau das der Unterschied: Obwohl bei Tweety durch ihre Krankheit mehr Raum für bewusste Trauer und Abschied vorhanden war, spüre ich bei Lucy eine viel stärkere Anhaftung.

Der Schmerz ist größer.

Und vielleicht ist genau das eine wichtige Erinnerung für mich selbst: Auch wenn wir in einem Prozess schon ein gutes Stück weitergekommen sind, können wir manchmal wieder zurückgeworfen werden.

Das bedeutet nicht, dass wir wieder am Anfang stehen.

Es bedeutet nicht, dass all die innere Arbeit umsonst war.

Und es bedeutet auch nicht, dass wir etwas falsch machen.

Trauer ist kein gerader Weg. Manchmal gehen wir ein Stück nach vorne und glauben, wir hätten einen Schmerz bereits gut angenommen. Und dann kommt etwas, das uns wieder mitten hineinführt. Ein Geruch. Ein Lied. Ein Bild. Ein leerer Platz. Oder der Verlust eines anderen geliebten Wesens.

Vielleicht geht es dann gar nicht darum, möglichst schnell wieder „weiter“ zu sein.

Vielleicht dürfen wir einfach anerkennen: Das tut gerade wieder weh.

Und auch das darf sein.

💛Fazit

Ich glaube, dass wir nicht weniger weit sind, nur weil wir wieder weinen.

Wir verlieren nicht unsere Entwicklung, nur weil ein alter Schmerz noch einmal spürbar wird. Vielleicht zeigt uns das Leben gerade nur, wie tief unsere Liebe war.

Und Lucy, vielleicht ist genau das dein letztes Geschenk an mich.

Mich daran zu erinnern, dass Liebe nicht kontrollierbar ist. Dass wir sie nicht kleiner machen müssen, nur weil wir wissen, dass irgendwann ein Abschied kommt.

Denn elf Jahre lang warst du ein Teil unseres Herzens.

Und jetzt darfst du dort bleiben.

Beitrag und Bild © Nina Groß (HerzFacetten)

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