Selbstsabotage

Perfektionismus überwinden: Wenn „alles richtig machen“ uns mehr kostet, als wir merken

 

… und Perfektionismus uns am Ende überfordert, blockiert oder in die Selbstsabotage führt.
Eine Selbstreflexion aus meinem eigenen Erleben.

Ich wollte kürzlich einfach nur ein Video aufnehmen. Ein paar Sätze sagen. Mich zeigen. Fertig.
Stattdessen habe ich mehrere Aufnahmen gemacht.
Immer wieder neu angesetzt.
Sätze neu formuliert. Dinge ergänzt. Dinge verworfen.

Und irgendwann war da nicht mehr Klarheit – sondern Überforderung.
Zu viel im Kopf. Zu viele Varianten. Zu wenig Ruhe.
Und genau in diesem Moment ist mir etwas aufgefallen:
Das hier ist kein „nicht gut vorbereitet sein“.
Das ist Perfektionismus. In Echtzeit.

Wenn wir alles richtig machen wollen – und uns dabei verlieren

Es beginnt oft ganz leise.

Ein Gedanke wie:
„Ich möchte es einfach gut machen.“

Und irgendwann kippt es in etwas anderes:

  • „So kann ich das nicht sagen.“
  • „Da fehlt noch etwas.“
  • „Das passt noch nicht ganz.“

Und plötzlich geht es nicht mehr darum, etwas auszudrücken, sondern darum, es richtig zu machen.

Was ich an jenem Tag gemerkt habe, war dieses paradoxe Gefühl:
Ich habe Material. Viel sogar. Und gleichzeitig fühlt es sich an, als würde etwas fehlen.

Zu viel gesagt. Und doch nicht das Richtige.

Dieses Gefühl ist schwer zu greifen. Aber vielleicht kennst du es…

Perfektionismus in Echtzeit erkennen

Während ich aufgenommen habe, kamen noch andere Dinge dazu: Geräusche von draußen. Eine offene Tür. kleine Unterbrechungen.

Nichts Dramatisches.

Und trotzdem hat es gereicht, um innerlich noch mehr Druck aufzubauen. Nicht, weil es wirklich ein Problem war, sondern weil ich ohnehin schon angespannt war.

Der entscheidende Moment war nicht die Aufnahme selbst, sondern das Innehalten danach.

Zu merken: Ich bin gerade nicht mehr im Ausdruck.
Ich bin im Kontrollmodus.

Ich versuche, etwas festzuhalten, zu optimieren, zu korrigieren.

Und genau da beginnt es anstrengend zu werden.

Überforderung im Arbeitsalltag – aus meiner eigenen Erfahrung

Dieses Muster ist mir nicht neu. Ich kenne es besonders aus meiner früheren Arbeit.

Ich habe in relativ kurzer Zeit sehr viel geschafft. Mehr, als eigentlich in diese Zeit gepasst hätte.

Und ich habe dafür sogar Anerkennung bekommen. In einem Mitarbeitergespräch wurde meine Arbeit als „perfekt“ bezeichnet.

Von außen betrachtet ein Erfolg. Und trotzdem konnte ich dieses Lob nicht wirklich annehmen.

Weil ich wusste, was dahinter stand…

Diese Art zu arbeiten hatte wenig mit Leichtigkeit zu tun. 

Es war eher ein innerer Zustand von:

  • ständig mitdenken

  • alles im Blick behalten

  • Fehler vermeiden

  • Kontrolle halten

Und vor allem: nicht wirklich aufhören können.

Auch wenn der Arbeitstag vorbei war, lief innerlich noch etwas weiter.

Was damals noch „funktioniert“ hat, zeigt sich heute auf eine andere Weise. Nicht dramatisch – aber spürbar:

  • Verspannungen im Kiefer- und Schulterbereich

  • ein schnelles Reagieren auf Druck

  • Anspannung, auch in eigentlich ruhigen Momenten

Der Körper vergisst solche Zustände nicht einfach.

Er speichert sie.

Alte Glaubenssätze? Schutz? Oder Sebstsabotage? Was wirklich darunter liegt …

Heute sehe ich klarer, dass es mir bei all dem nie nur um Leistung ging.

Sondern um etwas Tieferes:

Den Wunsch, alles richtig zu machen. Und die Angst, nicht gut genug zu sein.

Zwei Glaubenssätze, die oft unbewusst im Hintergrund wirken:

Und plötzlich bekommt Perfektionismus eine ganz andere Bedeutung.

Wenn ich heute darauf schaue, fühlt es sich weniger nach „Anspruch“ an. Und mehr nach einem Versuch, sicher zu sein.

Sicher vor Fehlern.
Sicher vor Bewertung.
Sicher davor, nicht zu genügen.

Die Veränderung liegt für mich nicht darin, alles „lockerer“ zu machen.

Sondern darin, solche Momente überhaupt zu bemerken. 

Zu merken: Ich bin gerade in einem Muster.

Und dann nicht weiterzumachen.

💛Fazit:

Perfektionismus ist oft nicht das, was wir im ersten Moment denken.

Er zeigt sich nicht nur in großen Ansprüchen, sondern in kleinen Momenten:
beim Sprechen, beim Arbeiten, beim Entscheiden.

Und manchmal beginnt Veränderung genau dort,
wo wir aufhören, es sofort lösen zu wollen.

Reflexionsfragen für dich:
  • In welchen Momenten versuchst du, etwas „richtig“ zu machen, statt es einfach auszudrücken?

  • Wo in deinem Alltag entsteht dieses Gefühl von „noch nicht genug“?

  • Wie reagiert dein Körper, wenn du innerlich unter Druck stehst?

  • Was würde passieren, wenn du an dieser Stelle einfach aufhörst – statt weiter zu optimieren?

  • Woran würdest du merken, dass du dir selbst gerade mehr erlauben kannst?

Beitrag © Nina Groß (HerzFacetten) / Bild © saffu (www.unsplash.com)

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